Wir müssen Trauma anders sehen.
Das Thema „Trauma“ ist in den letzten Jahrzehnten ein sehr präsentes geworden. In Medien, am Buchmarkt, in Forschung und vor allem auch in der Neurowissenschaft. Viel von dem, was wir zu lesen bekommen, kann Betroffenen Angst machen und zusätzlich schädigen. Dabei muss man Trauma wesentlich differenzierter betrachten.
Ich habe mich Jahre intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, bin auf Widersprüche gestoßen und auf Informationen, die in Fachkreisen längst bekannt sind, aber kaum zu Betroffenen durchdringen. Informationen aber, die Mut machen und vieles aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Bei meiner Recherche habe ich mich auf solche Informationen konzentriert und mich auch abseits der „klassischen“ Wege bewegt.
Von der Wortherkunft bedeutet „Trauma“ eine Verletzung oder Wunde und wurde ursprünglich mit gewaltvollen Ereignissen in Verbindung gebracht. Heute gibt es viel mehr Definitionen und auch viel mehr Traumaarten. Immer aber bleibt ein traumatisches Ereignis ein verletzendes Ereignis, das ernst genommen werden will. Für viele allerdings hat „traumatisiert zu sein“ die Bedeutung eines unausweichlichen Status bekommen. Etwas, das einen das weitere Leben lang beeinträchtigt und blockiert. Traumatisiert zu sein, klingt nach einer Bedrohung. Es gibt sehr viele gute Gründe, dass wir Trauma völlig neu sehen und auch anders einbetten müssen. Einen Teil davon lesen Sie schon in den Interviews und in den beiden Artikeln, die ich hier online stelle, viele weitere Gründe dann in meinem Buch (siehe weiter unten).
Mit meinen speziellen Fragestellungen, die sich aus der Lektüre ergeben haben, habe ich Expert:innen zum Interview gebeten, darunter namhafte Größen, wie Gerald Hüther, Christian Schubert und Luise Reddemann. Die Aussagen waren so bereichernd, hoffnungsspendend und insgesamt wertvoll, dass ich sie hier auf meiner Homepage veröffentliche. Und die Aussagen unterscheiden sich zum Teil wesentlich von dem, was oft über Trauma zu lesen ist. Und zwar im positiven Sinne. Wenn Sie von traumatischen Erlebnissen oder Umständen betroffen sind, so möchte ich Ihnen diese Interviews sehr ans Herz legen.
Für eine gute Übersicht und als Einstieg empfehle ich Ihnen vorab folgende zwei Artikel:
„Schreckgespenst Trauma? Zeit für neue Perspektiven“
https://www.raum-und-zeit.com/aktuelle-ausgabe-raum-zeit/
(Originalveröffentlichung in raum&zeit Nr. 261)
ab 24. 4. online
„Mysterium Trauma – Zwischen Leid und Resilienz“
/Link zum Artikel/
Diesen hätte ich für die „Welt der Frauen“ geschrieben. Dort erscheint aber jetzt „nur“ das Interview mit der Therapeutin Nina Petrik, welches Sie hier ab 12. Juni finden.
Ergänzende Informationen zu den beiden Artikeln:
Da ich in beiden Artikeln von Schutzfaktoren schreibe, aber kein Platz war, näher auf sie einzugehen, führe ich sie hier an:
Unsere „Schutzengel“:
Ich erinnere mich dunkel an ein Video mit Gerald Hüther, das ich vor Jahren gesehen habe, in dem er von einer Studie in den Slums gesprochen hat und bei der herauskam: Wenn ein Mensch zumindest einen anderen Menschen im Leben hatte, der ihn richtig mag, ihm seinen Weg zutraut, ihn vielleicht auch motivieren kann, ihn innerlich berührt, dann schafft der seinen Weg!
Es gibt auch ganz „offiziell“ Schutzfaktoren, die Personen davor schützen, nach traumatischen Ereignissen eine Traumfolgestörung zu entwickeln. Dazu zählen etwa folgende Möglichkeiten, die für Kinder bei einem Entwicklungstrauma als unterstützend genannt werden:
- Zentral und durch viele Studien belegt ist eine unterstützende Bindungsfigur, also eine sichere und dauerhafte Bindung zu einer Bezugsperson.
- Ebenso sehr förderlich ist ein positives Erziehungsklima, auch Stabilität in der Familie.
- Wenn das Kind von sich selbst eine positive Selbsteinschätzung hat oder gewisse kognitive oder soziale Kompetenzen besitzt, oder Humor, Selbständigkeit, Kreativität/Fantasie mitbringt, wirkt dies schützend auf die Entwicklung.
- Auch wirken sich ein offenes, flexibles Temperament des Kindes sowie seine Intelligenz positiv aus.
- Das betroffene Kind erlebt Sinn und Struktur im Leben.
- Das Kind erlebt soziale Unterstützung außerhalb der Familie, etwa in der Schule, in Institutionen oder auch im Freundeskreis.
- Das Kind hat auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Wahrnehmung der eigenen Gefühle, ist hier also „selbstbezogen“, wie das fachlich korrekt heißt.
Diese Faktoren, die sich aus inneren Fähigkeiten und äußeren Umweltfaktoren zusammensetzen, schützen aber nicht nur ein Kind vor negativen Folgen, sondern können auch traumatisierte Erwachsene sehr dabei unterstützen, wenn sie sich auf ihren eigenen „Heilungsweg“ begeben: gute Beziehungen, Lebenssinn, positive Selbsteinschätzung. Man spricht dann wohl mehr von „Resilienz“, also unserer psychischen Widerstandskraft.
Hier geht’s zu den Interviews:
Sie finden hier alle Interviews zum kostenlosen Download, wöchentlich veröffentliche ich ein Interview neu.
24. 4.:
Alexander Gerner – Lehrtherapeut und Praktiker der Grinberg-Methode:
„Der Körper kennt alle unsere Geschichten.“
1.Mai:
Luise Reddemann – eine der bekanntesten Traumatherapeutinnen Deutschlands, Fachärztin für Psychiatrie und Psychoanalytikerin, entwickelte die
Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT).
„Viele Menschen sind resilient und entwickeln keine Störungen.“
8. Mai:
Christian Schubert – Psychoneuroimmunologe und Autor:
„Trauma jenseits der Schattenseite begreifen: warum wir uns auch mit Resilienz auseinandersetzen müssen.“
15. Mai:
Desiree Pernhaupt, Psychotherapeutin in Ausbildung, Sozial- und Kulturanthropologin:
„Der ‚Wachstumsschmerz‘ hat nicht umsonst seinen Namen.“
22. Mai:
Marina Tsartsara: Somatic- und Art-Therapeutin, Body-Mind-Centering-Ausbildnerin:
“Trauma ist ein Ungleichgewicht. Körper und Kunst können die Balance wieder herstellen.“
29. Mai:
Martina Groer – Astrologin:
„Die Harmonie im Horoskop: Für jede Herausforderung haben wir die passenden Ressourcen.“
5. Juni:
Marlene Fellner – Systemische Familientherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, IFS-Seniortrainerin
Martina Beckhäuser – Systemische Therapeutin, Supervisorin, Lehrtherapeutin (DGSF), IFS- Seniortrainerin
„Die Frage ist ja: Wer sitzt gerade am Steuer?“
12. Juni:
Nina Petrik – Psychologin und Psychotherapeutin (Konzentrative Bewegungstherapie),
„Eine gute Beziehung kann sehr heilsam sein.“
19. Juni:
Jens Tönnemann – Psychiater, Psychotherapeut, Lehrtätigkeit im Bereich Tibetische Medizin
„Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit mehrheitlichen Zugängen und langfristiger Begleitung.“
26. Juni:
Gerald Hüther – Neurowissenschafter und Autor:
„Die subjektive Bewertung entscheidet, was weiter im Gehirn und im Körper geschieht.“
Erscheint außerdem am xy in „Natur und Heilen“
Von ganzem Herzen bedanke ich mich bei allen meinen Gesprächspartner:innen für die gute Unterstützung bei meinen Fragen!
Zu mir und meinem Zugang:
Ich komme nicht aus der Psychotherapie-„Szene“. Ich habe mich aus persönlichen Gründen mit Trauma befasst. Und genau das ist ein großer Vorteil, wenn es darum geht, Themen, noch dazu so sensible, kritisch zu betrachten und aus dem vorherrschenden „Meinungs-Bulk“ auszubrechen, wenn es notwendig ist. Als ich mich vor zwanzig Jahren im Rahmen einer Angsterkrankung mit Panikstörung zum ersten Mal mit Trauma beschäftigte und ich mich mit allerlei möglichen Ursachen konfrontiert sah, hat mir vieles, was ich zu Trauma gelesen habe, Angst gemacht. Ich dachte, ich hätte ein „Monster“ in mir, das jederzeit und zu allen unmöglichen Momenten hervorbrechen kann. Ich dachte ebenfalls, dass all die Schäden in meinem Gehirn für immer und ewig so blieben. Einmal stressgeschädigt, immer stressgeschädigt. Daraufhin habe ich die Beschäftigung damit abgebrochen, ich wollte das nicht glauben. Als vor einigen Jahren dann ein anderer Grund mich erneut mit dem Thema beschäftigen ließ, weil ich einer mir sehr wichtigen Person die größtmögliche Hilfe angedeihen lassen wollte, bin ich viel, viel tiefer eingetaucht. Und viel, viel breiter. Ich hatte dabei so viele interessante Aha-Erlebnisse, die wohltuend waren und beruhigend wirkten. So ist dann auch die Idee entstanden, ein Buch zu schreiben, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können. Dieses Buch ist noch am Fertig-Werden.
Mein Buch:
Ich habe mich durch über 60 Fachbücher durchgearbeitet, unzählige Dissertationen, Diplomarbeiten oder Fach-PDFs im Internet gelesen und viele wertvolle Gespräche geführt – und daraus soll nun ein Buch entstehen. Darin gehe ich auf unterschiedliche Themen ein, etwa auf die Kindheit in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten, auf die Grenzen der Neurowissenschaft und warum dringend Zweifel an deren Aussagen angebracht sind, auch darauf, welche massive Rolle unsere heutige Gesellschaft einnimmt, warum psychische Erkrankungen so massiv am Vormarsch sind und sich auch so hartnäckig halten. Und nein, das liegt nicht nur daran, dass wir heute für alles eine Diagnose haben. Da läuft nämlich einiges schief, das beim Heilungsweg ganz und gar nicht hilfreich wäre. Ebenso habe ich mich mit Therapien auseinandergesetzt, mit dem Thema Konfrontation/Erinnerung sowie mit der Tatsache, dass alle unsere Erfahrungen im Körper eingeschrieben sind und warum Reden alleine nicht allen weiterhilft. Denn auch hier gilt logischerweise: Jede/r ist anders, reagiert anders, braucht daher etwas anderes. In diesem Zusammenhang habe ich auch die wachsende Rolle von Körper- und Kunsttherapien untersucht. Viele Menschen brauchen übrigens auch keine Therapie. Ebenso habe ich mir angeschaut, wie wir unseren „gespeicherten“ Spuren nachspüren können und wie schwierig es ist, die Unmenge an Erfahrungen, die uns ausmacht, konkreten Spuren zuzuordnen. Auch, was wir grundsätzlich berücksichtigen sollten, wenn wir uns auf den Weg unserer Genesung machen. Dazu werden Sie schon einiges in den Interviews lesen, im Buch folgen dann weitere Informationen, gut hergeleitet und aufbauend, sodass die Gedankengänge nachvollziehbar sind, und sich nach und nach eine heilsamere Perspektive entwickeln darf. Die eigene Perspektive nämlich ist eine zentrale Schlüsselstelle zur Genesung.
Sollten Ihnen die Informationen zu diesem Thema helfen und Freude bereiten, so freue ich mich über eine kleine Spende als Anerkennung für meine Arbeit.
AT60 1860 0000 1457 6912.
Herzlichen Dank!
Links zu meinen Interview-Partner:innen:
Marlene Fellner (DE): Leiterin und Ausbildnerin am IFS-Institut München, Heilpraktikerin für Psychotherapie mit zahlriechen Weiterbildungen,
Mag. Alexander Gerner (A): Ausbildner und Lehrtherapeut Grinberg-Methode,
Mag. Martina Groer (A): Astrologin und Astrologie-Ausbildnerin, Lebens- und Sozialberaterin,
Dr. Gerald Hüther (DE): Neurowissenschafter, Autor,
Dr. Karin Hutflötz (DE): Philosophie-Professorin und IFS-Ausbildnerin,
Mag. Desiree Pernhaupt (A): Sozial- und Kulturanthropologin, Psychotherapeutin in Ausbildung,
Dr. MMag. Nina Petrik (A): Psychologin und Psychotherapeutin (Konzentrative Bewegungstherapie), mit zahlreichen Weiterbildungen,
Dr. Luise Reddemann (DE): Traumatherapeutin, Autorin,
Dr. Christian Schubert (A): Psychoneuroimmunologe, Autor,
Dr. Jens Tönnemann (A): Psychiater, Psychotherapeut, Lehrtätigkeit Tibetische Medizin)
Marina Tsartsara (GRC/ESP): Somatic- und Art-Therapeutin, Body-Mind-Centering-Ausbildnerin, Lehrbeauftrage für “Trauma, Emobidment and Art“, Künstlerin,